BIMI 2.0: Was ist neu in der BIMI-Spezifikation und was bedeutet das für Absender?

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BIMI 2.0: Was ist neu in der BIMI-Spezifikation und was bedeutet das für Absender?

Wichtigste Erkenntnisse

  • Es gibt kein offizielles „BIMI 2.0“. Der Begriff bezieht sich informell auf neuere Überarbeitungen des sich weiterentwickelnden BIMI-IETF-Entwurfs, die zusätzliche Funktionen und Sicherheitsregeln einführen.
  • Neue Tags bieten mehr Kontrolle über das Branding. Mit dem Tag „avp=“ können Absender Markenlogos oder persönliche Avatare priorisieren, während „lps=“ je nach lokalem Teil der Absenderadresse unterschiedliche Logos ermöglicht.
  • VMCs und CMCs sind nun offiziell anerkannt. „Common Mark“-Zertifikate bieten eine leichter zugängliche Alternative für Organisationen, die nicht über eine eingetragene Marke verfügen, wie sie für ein VMC erforderlich ist.
  • Bestehende BIMI-Einträge behalten ihre Gültigkeit. Die neuen Tags sind optional, sodass Unternehmen funktionierende BIMI-Konfigurationen nicht ändern müssen, es sei denn, sie möchten die zusätzlichen Funktionen nutzen.
  • Die Durchsetzung von DMARC ist nach wie vor unerlässlich. BIMI ist weiterhin auf DMARC in Verbindung mit einer Quarantäne- oder Ablehnungsrichtlinie sowie auf konforme Logodateien und andere bestehende Anforderungen angewiesen.
  • BIMI befindet sich noch in der Weiterentwicklung. Die Unterstützung neuerer Funktionen wie „avp=“ und „lps=“ durch die Anbieter ist nach wie vor uneinheitlich, während sich die zugrunde liegende IETF-Spezifikation und die Zertifikatsstandards weiterentwickeln.

„BIMI 2.0“ ist ein Begriff, den Sie vielleicht in letzter Zeit in Webinaren oder in Blogs von Anbietern gehört haben, aber es handelt sich dabei nicht um eine offizielle Version. Die BIMI-Spezifikation wird nicht mit Versionsnummern wie 2.0 versehen. Die zugrunde liegenden Dokumente haben sich jedoch erheblich geändert. Wenn Sie vor einigen Jahren einen BIMI-Eintrag veröffentlicht haben, sollten Sie sich über neue Tags und einen neuen Zertifikatstyp im Klaren sein.

Dieser Artikel befasst sich mit dem aktuellen Stand der BIMI-Spezifikation und deren Bedeutung für Absender. Bevor Sie sich mit den Neuerungen befassen, können Sie sich jederzeit in unserem umfassenden Leitfaden zu BIMI über die Grundlagen informieren.

Gibt es tatsächlich ein BIMI 2.0?

Nein. Die Versionsnummern, auf die sich viele beziehen, werden oft missverstanden. So handelt es sich beispielsweise bei dem häufig zitierten Dokument „draft-blank-ietf-bimi-02“ aus dem Jahr 2021 lediglich um die zweite Überarbeitung eines frühen Entwurfs und nicht um eine Version 2.0. Dieses konkrete Dokument wurde inzwischen ersetzt und archiviert.

Das aktuelle Dokument, das als Leitfaden für die Branche dient, ist der Entwurf „draft-brand-indicators-for-message-identification“, der zum Stand vom 1. Mai 2026 derzeit die Revisionsnummer -14 trägt. Die Verwirrung rührt daher, dass Anbieter den Begriff „BIMI 2.0“ manchmal informell verwenden, um die neueren Spezifikationen und Funktionen zu beschreiben, die diesem aktiven Entwurf hinzugefügt wurden.

Die aktuelle BIMI-Spezifikation: Stand, Autoren und Einordnung

Obwohl BIMI bereits von großen Anbietern wie Gmail, Yahoo und Fastmail implementiert wurde, handelt es sich dabei nach wie vor um einen einzelnen Internet-Draft. Es ist weder ein RFC noch ein offizielles Dokument einer Arbeitsgruppe. Derzeit hat es keinen formellen Status im IETF-Standardisierungsprozess.

Diese Diskrepanz zwischen der breiten Akzeptanz in der Branche und dem offiziellen Status ist bei E-Mail-Protokollen üblich. Das eigentliche Zeichen für die Legitimität geht von den Verfassern des Dokuments aus. Der aktuelle Entwurf „draft-brand-indicators-for-message-identification“ wird von Branchenexperten gepflegt: Seth Blank und Peter Goldstein von Valimail, Thede Loder von Skye Logicworks, Terry Zink und Jemma Bradshaw von Fastmail, Alex Brotman von Comcast sowie Wei Chuang von Google.

Was ist eigentlich neu an der BIMI-Spezifikation?

Mit den neuesten Überarbeitungen werden neue optionale Tags eingeführt, Zertifikatstypen formalisiert und die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

TagWas es tutIst das neu?
v=VersionsangabeNein
l=Speicherort der LogodateiNein
a=Aufbewahrungsort des BeweisdokumentsNein
avp=Avatar-EinstellungenJa
lps=Lokaler Teil-SelektorJa

Das avp=-Tag

Das AVP-Tag steht für „Avatar Preference“ (Avatar-Einstellung). Damit können Domain-Inhaber den E-Mail-Anbietern mitteilen, ob das Markenlogo (avp=brand) oder der persönliche Avatar des jeweiligen Absenders (avp=personal) angezeigt werden soll. Durch die explizite Festlegung dieser Einstellung ersparen Absender E-Mail-Clients, die beide Bildtypen unterstützen, das Rätselraten. Eine ausführliche Erläuterung finden Sie in unserem Leitfaden zum BIMI-AVP-Tag.

Das lps=-Tag

Das LPS-Tag steht für „Local-part Selector“. Diese Neuerung verdient Beachtung, da sie eine große Herausforderung im Bereich des Brandings löst. Bislang musste für die Anzeige unterschiedlicher Logos für verschiedene Abteilungen ein BIMI-Selector-Header in ausgehenden E-Mails eingerichtet werden. Das LPS-Tag ändert dies, indem es ermöglicht, dass der lokale Teil der Absenderadresse (der Teil vor dem @-Zeichen) die Auswahl des Logos direkt über den DNS-Eintrag bestimmt.

Sie könnten beispielsweise Ihren Standard-BIMI-Eintrag so konfigurieren, dass er auf Ihr Hauptlogo verweist, und gleichzeitig ein „lps“-Tag einfügen, das unterschiedliche Selektoren für Nachrichten und Zahlungen angibt. Wenn eine Nachricht von [email protected] eintrifft, erkennt der empfangende Server den lokalen Teil, findet das passende Präfix in der LPS-Liste und führt eine sekundäre Suche nach diesem spezifischen Selektor durch. Das bedeutet, dass Sie Ihr Hauptlogo für Support-E-Mails, ein anderes Logo für Newsletter anzeigen und das Logo für Transaktionsbenachrichtigungen vollständig unterdrücken können. Die Unterstützung dieses Tags durch die Provider ist noch unbestätigt, aber es bietet einen leistungsstarken Mechanismus für die Verwaltung mehrerer Logos.

VMCs und CMCs formalisiert

Der Entwurf verweist nun offiziell sowohl auf „Verified Mark Certificates“ (VMCs) als auch auf „Common Mark Certificates“ (CMCs) als optionale Nachweismöglichkeiten. Die detaillierten Spezifikationen für diese Zertifikate werden in separaten Dokumenten behandelt. Der praktische Unterschied ist für die meisten Absender erheblich. Für CMCs ist keine eingetragene Marke erforderlich, was einen wesentlich einfacheren Weg zur Anzeige des Logos bietet.
Weitere Informationen finden Sie in den Artikeln zu „Common Mark Certificates“ und „VMC für BIMI“.

Strengere Handhabung von Kopfzeilen

Die Spezifikation legt nun klarere Regeln dafür fest, wie Mail-Transfer-Agenten die Header „BIMI-Location“, „BIMI-Indicator“ und „BIMI-Logo-Preference“ erstellen. Sie schreibt ausdrücklich vor, dass empfangende Server alle nicht vertrauenswürdigen eingehenden Versionen dieser Header entfernen müssen. Dies ist ein entscheidendes Sicherheitsdetail. Ohne diese Anforderung könnten Angreifer gefälschte BIMI-Header in Nachrichten einschleusen, um als Spoofing-Vektor das Logo einer anderen Organisation in böswilliger Absicht anzuzeigen.

Was sich nicht geändert hat

Zwar wurden neue Tags hinzugefügt, doch die grundlegenden Regeln bleiben unverändert. BIMI ist kein eigenständiges Authentifizierungsprotokoll. Es zeigt lediglich ein visuelles Ergebnis auf der Grundlage einer bereits erfolgten Authentifizierung an. Damit ein Logo angezeigt wird, ist die strikte Durchsetzung von DMARC nach wie vor erforderlich.

Sie müssen verstehen, was eine DMARC-Richtlinie ist, und sicherstellen, dass Ihre Domain auf „Quarantäne“ oder „Ablehnen“ eingestellt ist. Außerdem muss Ihre Logo-Bilddatei weiterhin die strengen Anforderungen des SVG-Tiny-P/S-Formats erfüllen. Alle wesentlichen Anforderungen finden Sie in unserem umfassenden Leitfaden zu BIMI.

Müssen Sie Ihren BIMI-Eintrag aktualisieren?

Nichts, was Sie bereits veröffentlicht haben, ist fehlerhaft. Bestehende BIMI-Einträge behalten nach dem aktuellen Entwurf ihre volle Gültigkeit, und die neuen Tags sind rein optionale Ergänzungen.

Sie sollten erwägen, das „avp“-Tag hinzuzufügen, wenn Ihr Unternehmen strenge Vorgaben hinsichtlich der Verwendung von Unternehmenslogos im Gegensatz zu persönlichen Absender-Avataren hat. Das „lps“-Tag sollten Sie nur einsetzen, wenn Sie Logo-Varianten für einzelne Adressen aktiv verwalten müssen. Falls Sie BIMI bisher ausgelassen haben, weil die Beschaffung eines VMC zu kostspielig war oder Ihnen eine eingetragene Marke fehlte, sollten Sie Ihre Strategie aufgrund der Einführung von CMCs auf jeden Fall überdenken.

Am besten überprüfen Sie zunächst Ihre aktuelle Konfiguration. Wenn Sie sich entscheiden, diese neuen Funktionen hinzuzufügen, können Sie Ihren aktualisierten DNS-Text mit unserem BIMI-Eintragsgenerator erstellen und die Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Veröffentlichung eines BIMI-Eintrags lesen.

Was noch kommt

Der Standard befindet sich noch in der Entwicklung. Separate Spezifikationsdokumente, in denen die Funktionsweise von VMC und CMC detailliert beschrieben wird, stehen noch aus. Die IETF hat BIMI noch nicht in eine offizielle Arbeitsgruppe übernommen.

Zudem ist die Unterstützung der neueren „avp“- und „lps“-Tags durch die Anbieter branchenweit derzeit uneinheitlich. Um stets auf dem neuesten Stand zu bleiben, sollten Sie den Eintrag im IETF-Datatracker sowie die Ankündigungen der BIMI-Gruppe verfolgen.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es ein BIMI 2.0?

Nein. Die BIMI-Spezifikation verwendet keine Software-Versionsnummern wie 2.0. Der Begriff wird von Anbietern informell verwendet, um die neuesten Überarbeitungen des IETF-Entwurfs zu beschreiben, die neue Funktionen wie Selektoren für den lokalen Teil und Avatar-Einstellungen enthalten.

Ist BIMI ein RFC oder ein offizieller Standard?

Nein. BIMI ist ein einzelner Internet-Draft. Er wurde von keiner IETF-Arbeitsgruppe angenommen und hat im Standardisierungsprozess keinen formellen Status, obwohl große E-Mail-Anbieter seine Richtlinien bereits umsetzen.

Was ist die aktuellste Version der BIMI-Spezifikation?

Die derzeit gültige Spezifikation lautet „draft-brand-indicators-for-message-identification“. Stand 1. Mai 2026 liegt das Dokument in der Revision -14 vor.

Was ist der Unterschied zwischen den Tags „avp“ und „lps“?

Das „avp“-Tag (Avatar Preference) gibt den Anbietern vor, ob ein Markenlogo oder ein persönlicher Avatar angezeigt werden soll. Mit dem „lps“-Tag (Local-part Selector) können Sie je nach dem spezifischen lokalen Teil der Absender-E-Mail-Adresse unterschiedliche Markenlogos anzeigen.

Muss ich meinen BIMI-Eintrag an die neue Spezifikation anpassen?

Nein. Ihre bestehenden BIMI-Einträge bleiben gültig und werden nicht beeinträchtigt. Die neu eingeführten Tags sind optionale Funktionen, die Sie hinzufügen können, wenn Sie eine detailliertere Steuerung der Logoanzeige wünschen.

Ist für BIMI weiterhin die Durchsetzung von DMARC erforderlich?

Ja. Für die Anzeige von BIMI muss für Ihre Domain zwingend eine DMARC-Richtlinie festgelegt sein, die entweder auf „Quarantäne“ oder „Ablehnen“ eingestellt ist. Nachrichten müssen die DMARC-Authentifizierung bestehen, damit das Logo angezeigt wird.

Abschließende Überlegungen

Es gibt zwar kein offizielles BIMI 2.0, aber eine wesentlich überarbeitete Spezifikation. Die neuesten Entwürfe führen neue optionale Tags ein, legen einen zweiten Zertifikatstyp fest und verschärfen die Sicherheitsregeln für Header. Ihr bereits veröffentlichter Datensatz ist zwar weiterhin gültig, doch die neuen Funktionen bieten gute Gründe, Ihre Konfiguration zu optimieren.

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um Ihre aktuelle Konfiguration mit unserem kostenlosen Tool zur Überprüfung von BIMI-Einträgen zu überprüfen und sicherzustellen, dass Ihr Branding genau wie beabsichtigt angezeigt wird.

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